Seit vier Jahrzehnten gibt es den Kampfsportverein Unterwössen – ein Jubiläum, das die Kali-Abteilung mit einem besonderen Ereignis feierte. Abteilungsleiter Stefan Wörnle lud zu einem intensiven Wochenendseminar ein, geleitet von Amaury Eber, einem der ranghöchsten Meister des Kali Silat Evolution in Deutschland. Rund 30 Kampfsportler aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Österreich reisten an, um gemeinsam Stockkampf, Boxtechniken und die Abwehr von Messerangriffen zu trainieren.
Ursprünglich sollte der Lehrgang von Stilgründer und Großmeister Jeff Espinous aus Frankreich geleitet werden. Sein überraschender Tod im Februar erschütterte die Szene. Die Vereinsführung entschied daher, das Seminar als Gedenklehrgang durchzuführen. Nach einer bewegenden Schweigeminute widmete Eber, Träger des 6. Dan, das gesamte Wochenende der sogenannten „Amara“ – einer dynamischen Siebener-Schlagfolge mit Stöcken, die im Kali eine zentrale Rolle spielt.
„A drill gives you skill“, betonte Eber immer wieder. Im Kali gehe es darum, Bewegungsmuster hunderte Male zu wiederholen, bis sie in Fleisch und Blut übergehen. Zunächst langsam, dann immer flüssiger. Nicht jeder Drill werde später exakt so in der Selbstverteidigung angewendet, erklärte er, doch ohne diese Grundlagen funktioniere nichts. Die Teilnehmer übten die „Amara“ zunächst mit einem Stock, später mit zwei – und am zweiten Tag sogar als Verteidigung gegen Messerangriffe.
Fast tänzerisch wirkte der Abschnitt zum Silat Beladiri: fließende Bewegungen, kleine Würfe, sogenannte Takedowns, und am Boden präzise Hebel-, Fuß- und Ellbogentechniken. Ein Kontrast zum kraftvollen Stockkampf – und doch Teil desselben Systems.
Emotional wurde es am Ende des ersten Seminartages: Eine Bilderschau erinnerte an den verstorbenen Großmeister Jeff Espinous. Viele Teilnehmer, die teils aus Berlin, Halle oder dem Burgenland angereist waren, zeigten sich tief bewegt – und zugleich begeistert vom intensiven Trainingstag.
Auch am Sonntag floss der Schweiß reichlich. Boxeinheiten mit sauberer Schrittschule, realistisches Pratzentraining und die Abwehr blitzschneller Messerangriffe standen auf dem Programm. Beim sogenannten Trapping – dem waffenlosen Nahkampf – beeindruckte Eber mit explosiven, rhythmusbrechenden Techniken. „Ihr müsst den Rhythmus bewusst durchbrechen und einen Gegenimpuls setzen“, erklärte er, während die Teilnehmer konzentriert mitarbeiteten.
Am Ende blickte ein erschöpfter, aber zufriedener Stefan Wörnle auf zwei lehrreiche Tage zurück. Mit einem kleinen Geschenk bedankte er sich beim Referenten. Und auch Amaury Eber zog ein positives Fazit: „Ich komme gerne wieder.“
Wer diesen Sport lernen will, kann ab Dienstag, 7.7.26 jederzeit im Training in Niedernfels/Marquartstein vorbei schauen.
